Mit dem Bestehen der Jägerprüfung endet zwar die Ausbildung zum Jungjäger – das Lernen jedoch keineswegs. Jagdliches Wissen entwickelt sich vor allem durch praktische Erfahrungen und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden. Deshalb folgten zahlreiche frischgebackene Jungjäger der Kreisjägerschaft Coesfeld der Einladung von Ausbilder Guido Erben zu einem Tagesseminar „Büchsenschuss und Nachsuche auf Schalenwild“ in Cappenberg.
Guido Erben ist seit 1985 Jäger, Jungjägerausbilder der Kreisjägerschaft Coesfeld seit 2004, Leiter der Schweißhundestation Ascheberg und Kreisjagdberater des Kreises Coesfeld.
Bereits am Vormittag wurde deutlich, wie wertvoll eine vertiefende Ausbildung nach bestandener Jägerprüfung ist. Im ersten theoretischen Teil vermittelte Guido Erben fundierte Kenntnisse über die Geschosswirkung im Jagdbetrieb, Zielballistik, Kaliber- und Geschosswahl sowie deren unterschiedliche Wirkungsweisen im Wildkörper. Gerade diese Themen beschäftigen viele Jungjäger nach bestandener Prüfung besonders intensiv. Welche Geschossart eignet sich für welche Wildart? Welche Wirkung entfaltet ein Geschoss im Wildkörper? Und worauf kommt es bei einer waidgerechten Auswahl wirklich an?
Während diese Inhalte in der regulären Jungjägerausbildung naturgemäß nur in begrenztem Umfang behandelt werden können, bot das Seminar die Möglichkeit, tiefer in die Materie einzusteigen. Anschauliche Beispiele und verständliche Erklärungen eröffneten den Teilnehmern einen völlig neuen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Kaliber, Geschoss und Zielwirkung – Wissen, das für eine verantwortungsvolle Jagdausübung von großer Bedeutung ist.


Im zweiten theoretischen Abschnitt standen die praktische Schussabgabe und das Verhalten nach dem Schuss im Mittelpunkt. Behandelt wurden unter anderem Ziel- und Schießtechniken auf Schalenwild, der sinnvolle Einsatz von Nachtziel- und Wärmebildtechnik, Haltepunkte auf stehendes und flüchtiges Wild, das Verhalten unmittelbar vor und nach dem Schuss sowie die Untersuchung des Anschusses. Ebenso wurden der Fangschuss, das Abfangen von Wild sowie die Organisation einer Nachsuche – insbesondere nach Bewegungsjagden – ausführlich erläutert. Die Teilnehmer erhielten dabei zahlreiche Hinweise aus der langjährigen jagdlichen Praxis des Referenten als Jäger, aber auch aus seiner Perspektive als Leiter der Schweißhundestation Ascheberg.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause bei Gegrilltem begann der praktische Teil des Seminars im angrenzenden Wald.
An einem als Fallwild verendeten Rehbock konnten die Teilnehmer die zuvor vermittelten theoretischen Inhalte unmittelbar nachvollziehen. Unterschiedliche Schusswirkungen wurden demonstriert und erläutert. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung des sogenannten „roten“ und „grünen“ Bereiches vor und hinter dem Wildkörper sowie die Entstehung und Verteilung von Pirschzeichen. Dadurch wurde anschaulich vermittelt, welche Rückschlüsse ein Nachsucheführer bereits am Anschuss auf dem Treffer ziehen kann.


In praktischen Gruppenübungen untersuchten die Jungjäger verschiedene Anschüsse und Pirschzeichen. Anhand der vorgefundenen Spuren galt es, den Schussverlauf zu rekonstruieren und die möglichen Reaktionen des beschossenen Stückes Wild nachzuvollziehen. Diese praxisnahen Übungen machten deutlich, wie wichtig eine sorgfältige Anschussuntersuchung für eine erfolgreiche und tierschutzgerechte Nachsuche ist.
Ein weiterer Programmpunkt verdeutlichte eindrucksvoll die unterschiedliche Wirkung von Kurz- und Langwaffen beim Fangschuss. Anhand wassergefüllter Kanister demonstrierte Guido Erben die verschiedenen Geschosswirkungen. Während das Projektil der Kurzwaffe den Kanister nahezu ohne größere Zerstörung durchdrang, zeigte die Langwaffe eine deutlich stärkere Energieabgabe und eine entsprechend größere Wirkung. Die Demonstration vermittelte den Teilnehmern anschaulich, welche Unterschiede bei den verschiedenen Waffen- und Kaliberarten bestehen.
Den Abschluss bildete das praktische Abfangen von Schalenwild. Auch dieser Ausbildungsinhalt wurde an dem Fallwildstück geübt. Schnell zeigte sich, dass das sichere und waidgerechte Abfangen neben theoretischem Wissen vor allem Übung, Ruhe und eine saubere Technik erfordert. Für viele Teilnehmer war diese praktische Erfahrung besonders wertvoll, da sie die Möglichkeit bot, einen Vorgang unter fachkundiger Anleitung zu trainieren, der in der jagdlichen Praxis jederzeit erforderlich werden kann.
Am Ende des Seminartages waren sich alle Teilnehmer einig: Die Kombination aus fundierter Theorie, anschaulichen Demonstrationen und intensiven praktischen Übungen stellte eine ideale Ergänzung zur Jungjägerausbildung dar. Das Seminar vermittelte nicht nur zusätzliches Fachwissen, sondern stärkte vor allem das Verständnis für waidgerechtes Handeln und den verantwortungsvollen Umgang mit Wild.
Gerade für Jungjäger sind Fortbildungen dieser Art ein wichtiger Baustein auf dem Weg vom erfolgreichen Prüfungsabsolventen zum verantwortungsbewussten Jäger. Das Seminar von Guido Erben hat eindrucksvoll gezeigt, dass jagdliche Ausbildung mit dem Erhalt des Jagdscheins nicht endet – sie beginnt dort erst richtig.
